Tag der Befreiung?
Als am 8. Mai 1949 das Grundgesetz im Parlamentarischen Rat der gerade gegründeten BRD beschlossen wurde, zitierte Theodor Heuss von der FDP den Poeten Friedrich v. Schiller mit den Worten, „Stürzte auch in Kriegesflammen deutsches Kaiserreich zusammen, deutsche Größe bleibt bestehen!“ 1955 nannte der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer den 8. Mai 1945 die „dunkelste Stunde unseres Vaterlandes“. Am 8. Mai 1965 erklärte wiederum der Nachfolger Adenauers im Bundeskanzleramt, Ludwig Erhard, das Ende des Krieges habe „nicht den wahren Frieden gebracht, sondern neues Unrecht und Gewalt“. Dies waren Worte der einstigen Repräsentanten der Bundesrepublik Deutschland - doch wie sieht es in heutiger Zeit mit dem Umgang der Geschichte aus?
Der inzwischen abgehalfterte Bundeskanzler Schröder nahm am 9. Mai 2005 an der Siegesparade auf dem Roten Platz in Moskau teil. Am Vortag dieses Auftritts hatte Bundespräsident Köhler im Plenarsaal des Deutschen Bundestages erklärt, „Dank schulden wir an erster Stelle den Völkern, die Deutschland besiegt und vom Nationalsozialismus befreit haben“. Nur entspricht dies in jener Art und Weise, wie die heutigen Repräsentanten der Bundesrepublik Deutschland den 8. Mai im Jahre 2005 begangen haben, einer hinreichend differenzierten Betrachtungsweise, oder ist diese nicht vielmehr einer angesichts der wahren Fakten äußerst befremdenden, geradezu unglaublichen Betrachtungsweise der Fakten gewichen?
Wie stellte sich nun die Situation in den ersten Tagen und Monaten nach dem 8. Mai 1945 dar? Selbstverständlich konnten sich die Deutschen nicht sogleich in einer anglo-amerikanischen Demokratie mit allen Freiheitsrechten einrichten, denn Deutschland galt als besetztes Feindesland und war demzufolge dem Regime der Besatzungsmächte unterworfen. Es gab keine Befreiung im üblichen doppelten Sinne des Wortes, d.h. Beseitigung von vermeintlicher Unterdrückung und gleichzeitiger Herstellung und Gewährung individueller Freiheits- und politischer Selbstbestimmungsrechte - es ging den Alliierten nach der bedingungslosen Kapitulation zunächst um die rigorose Beseitigung aller organisatorischen und personellen nationalsozialistischen Strukturen sowie um die Liquidierung von deutschen Politikern, und zwar ohne Mitsprache oder Einflüsse durch deutsche Institutionen. Angesichts dieser totalen militärischen und politischen Entmachtung war an eigene deutsche Staatlichkeit und Selbstbestimmung nicht zu denken, wobei man sich auch nicht scheute, Menschen teilweise wegen Taten anzuklagen, für die man eigens erst Gesetze schaffen mußte, um sie überhaupt anklagen zu können. „Ohne Gesetz keine Strafe“ - nullam poenam sine lege - so definierten es bereits die Römer, doch die Wirklichkeit im 20. Jahrhundert der hiesigen Zeitrechnung sah völlig anders aus - nämlich Strafe ohne Gesetz!
Zum besseren Verständnis, wie diese Befreiung verstanden wurde, sollte sich der aufmerksame und kritische sowie über den Ergüssen selbst ernannter Historiker in den Medien stehende Betrachter ein eigenes Bild verschaffen, denn lautete es im Verständnis der damaligen Siegermächte nicht vielmehr, „Deutschland wird nicht besetzt zum Zweck der Befreiung, sondern als besiegte Nation.“ - zitiert aus Direktive "JCS 1067" des alliierten Ober-kommandos vom 14. Mai 1945
Für das Volk der Besiegten, dem deutschen Volk bedeutete dies, daß etwa 12 Millionen deutsche Männer vom Jungen bis zum Greis vom 8. Mai 1945 an fremder Willkür gnadenlos ausgeliefert waren. Von den Kriegsgefangenenlagern der heute als Befreier titulierten Amerikaner bis in die unwirtlichen Weiten Sibiriens erstreckte sich das große Sterben. Waren im Kriege von 1939 bis 1945 etwa 3 Millionen deutsche Soldaten gefallen, so kamen in der Gefangenschaft nach vorliegenden Schätzungen nochmals etwa 3,2 Millionen um. Mehr als 6 Millionen deutsche Soldaten starben, wovon über die Hälfte nach der Einstellung der Kampfhandlungen „befreit“ wurden, indem man sie ihres Lebens beraubte, Ehefrauen den Mann, Kindern den Vater nahm. Der 8. Mai 1945 war jener Tag, an welchem sie dem Tod ausgeliefert wurden.
Auch Millionen von Frauen und Mädchen wurden bereits vor diesem heute bejubelten „Tag der Befreiung“ zu Gefangenen, wurden verschleppt, vergewaltigt, getötet. Eine ganze Nation ging in die Gefangenschaft, und Deutschland begann einem riesigen Gefangenenlager zu gleichen, die Deutschen waren plötzlich rechtlos und vogelfrei. Sie wurden von Haus und Hof vertrieben, ausgeraubt, wie Vieh verfrachtet, als Sklavenarbeiter mißhandelt, durch Hunger und Gewalt dezimiert, durch eine entfesselte Soldateska der Siegermächte zu Tode gequält. Für diejenigen Deutschen, die diese Zeit miterlebt haben, ist die Zeit nach dem 8. Mai 1945 die dunkelste Zeit ihrer Geschichte.
Nach der Entmündigung der Deutschen übernahmen die Besatzer den Wiederaufbau des Staates nach ihren eigenen Plänen. Nur wer sich dem Willen der Besatzer beugte, erhielt die Lizenz zum öffentlichen Auftritt. Parteien wurden gegründet, Wahlen abgehalten und Deutsche durften sich in Gefängnissen, Flughäfen oder Militärstützpunkten der einmarschierten Besatzer nützlich machen, um bei der Bewachung und Sicherung zu helfen. Deutsche Politiker erhielten die „Frankfurter Dokumente“ mit der Anweisung, danach eine Verfassung zu schaffen. Sie weigerten sich zunächst, schufen dann schließlich in einem im Keim erstickten Protest ein „Grundgesetz“ für die BRD. Dieses Grundgesetz wurde am 8. Mai 1949 verabschiedet und danach den Militär-Machthabern zur Genehmigung vorgelegt, was dem aufmerksamen Betrachter wie ein Hohn vorkommen muß. Im Artikel 139 wurde bestimmt, „Die zur Befreiung des deutschen Volkes von den Alliierten 1945-1949 erlassenen Rechtsvorschriften werden von diesem Grundgesetz nicht berührt“. So erinnert der 8. Mai 1945 bis zum heutigen Tage an die wahren Interessen jener Sieger, die wir heute als „Gutmenschen“ und „Befreier“ bewundern sollen.
Die Sieger von 1945 erklärten, für die Rettung der Humanität einen Kreuzzug gegen Deutschland geführt und gewonnen zu haben. Geführt auch mit den Mitteln eines Bombenkrieges, in welchem man Kinder, Frauen, Flüchtlinge und Greise genauso als Feind behandelte wie reguläre Soldaten. Der Tag der militärischen Kapitulation der deutschen Armee brachte den Alliierten ihren angestrebten Frieden. Millionen von Deutschen brachte er jedoch die Hölle auf Erden. Haben die Sieger von 1945 keinen Anlaß danach zu fragen, mit welchen Verbrechen sie dem Triumph ihres Kreuzzuges für die bedrohten Menschheitswerte das Siegel aufgedrückt haben? In jenen Jahren nach der Kapitulation, in denen von Ostpreußen bis zum Balkan Deutsche erschlagen, hingemetzelt, vergewaltigt, gefoltert und vertrieben wurden - in jenen Jahren, die man uns jetzt zumutet, als Zeit der Befreiung und Wiege einer Zukunft zu feiern, die uns zum ersten Mal in unserer Geschichte „Freiheit, Recht und Menschenwürde“ gebracht haben soll? Gedenken wir deswegen des 8. Mai, oder sollten wir uns nicht vielleicht besser der Worte des Engländers Winston Churchill erinnern, daß „ein Volk erst dann wirklich besiegt ist, wenn es auch die Meinung des Siegers übernommen hat“?
Wer im 20. Jahrhundert einen Krieg verliert, wird vom Sieger zum Schuldigen und Verbrecher erklärt. Wie soll man jedoch das Wertesystem derjenigen einschätzen, die mit genau jenen Urteilskategorien dem deutschen Volk 1945 jede Moral und alle Rechte bestritten und wenige Jahre später, als deutsche Männer wieder als Soldaten gebraucht wurden, das deutsche Volk plötzlich als würdig erachteten, westliche und östliche Interessen mit der Waffe zu verteidigen? Auch daran sollten wir am 8. Mai denken!
Wir sollten uns weiterhin auch daran erinnern, daß in den letzten Jahren durch die damalige Siegermacht U.S.A. systematisch damit begonnen wurde, unter konstruierten Vorwänden andere Staaten und Völker zu überfallen, um jenen dann den Stempel einer vermeintlichen Demokratie aufzudrücken. Man spielt sich als Weltpolizei auf, um eigene wirtschaftlich bestimmte Interessen von Macht durchzusetzen und nutzt dazu das Feigenblatt von Güte und angeblich positiv definierten Werten, um in Wahrheit Völker in Afghanistan, dem Irak und anderen Bereichen dieser Welt zu drohen, Menschen wie Vieh entführt, sie foltert, ohne rechtskräftige Urteile einsperrt und darüber hinaus fremde Flughäfen für dieses Tun nutzt.
Wer jedoch den ständigen Hinweis auf eine angebliche kollektive Schuld dazu benutzt, ein Volk auf Dauer in einem Zustand der Unterwerfung zu halten, der errichtet ein System der Schuldknechtschaft. Es gibt keine kollektive Schuld, aber es existiert eine kollektive Diffamierung. Wer immer kollektive Diffamierung betreibt, um Verbrechen und Unrecht gegen ein Volk zu legitimieren - wer seinen Namen in den Schmutz zieht, um es zu beherrschen -, wer Bußrituale und einseitiges Gedenken instrumentalisiert, um ein Volk in Verwirrung zu halten, zu entmündigen oder auf einen Weg der bedingungslosen Unterwerfung - bis hin zur Selbstaufgabe - zu zwingen, macht sich selbst zutiefst schuldig.
Wir Deutschen besitzen wahrlich keinen Grund, den 8. Mai zu feiern. Feiern sollen diejenigen, die sich für die Sieger halten. Wie unsere früheren Gegner, die sich heute als unsere Freunde bezeichnen, ihre Feiern zum 8. Mai mit einer Freundschaft in Einklang bringen, ist allerdings nicht nur ihr eigenes Problem. Für uns ist es eine Gelegenheit, daran zu erinnern, daß die neue Zukunft, die uns von den Siegern 1945 beschert wurde, für unser Land das Grab und für Deutschland sowie das deutsche Volk die Katastrophe seiner Zerstückelung bedeutete. Die Siegesparaden der früheren Alliierten werden uns nur zeigen, daß wir noch immer die Besiegten von 1945 sind, daß unser Land besetztes Land ist, und unsere regionale Souveränität eine von Gnaden der Sieger mit Vorbehalten gewährte Souveränität mit Vorbehalten darstellt. Daran müssen wir denken, wenn etwas gefeiert werden soll, das einer Feier nicht wert ist!
Die Wiederkehr des 8. Mai 1945 ist das Fest der Sieger - es ist nicht unser Fest! Uns dagegen steht die Erinnerung an Wahrheiten zu, deren Gehalt von keinem Datum abhängt. Zur Lebensgeschichte des Einzelnen wie zur Geschichte eines Volkes gehören die Niederlagen genauso wie die Triumphe. Nur dann, wenn sich der Einzelne, wenn sich ein Volk selbst aufgibt und sklavisch unterwirft, geht alles verloren - in der Variante einer Feststellung des römischen Kaisers Mark Aurel, der einst verkündete, „Laß dir die Vergangenheit, laß dir die Zukunft nicht verfälschen. Du wirst, wenn es nötig ist, schon hinkommen, mit Hilfe derselben Geisteskraft, die dich das Gegenwärtige ertragen läßt.“
Wer ein Volk in Schuldknechtschaft hält, zerstört es. Wer ein Volk zerstört, ist ein Verbrecher. Freiheit von kollektiver Schuld ist das Recht aller Völker. Auch für uns Deutsche gilt: Die Würde des deutschen Volkes ist unantastbar. Sie zu schützen ist die Aufgabe aller staatlichen Gewalt.
Es ist auch ein Unrecht, wenn zum Beispiel Schüler der Gesamtschule Gedern in freier Wahl bei einer Probeabstimmung mit annähernd 28% einer zugelassenen Partei wie der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) ihre Stimmen geben, um dann zu verkünden, daß diese Schüler die falsche Partei gewählt hätten, denn es kann nur eine Wahrheit und daraus resultierend einen freien Willen geben.
Jene Schüler, welche aus eigenem Antrieb, ihrer freien Überzeugung der NPD ihre Stimmen gaben, ohne zuvor durch Propagandamaterialien, farbige und aufwendig gestaltete Wahlkampfbroschüren oder weitgehend gleichgeschaltete, vom viel gerühmten Pluralismus dieser Republik nichts wissen wollende Medien beeinflußt waren, diese Schüler verdienen unseren uneingeschränkten Respekt - sie sind wahre Demokraten, die sich entschieden haben und deren Meinung im nachhinein mit Füßen getreten wird.
Eiligst werden dann „Protestveranstaltungen“ mit wenig Gefolgschaft und kläglichem Beifall und Echo in der Bevölkerung wie im Sommer 2005 bei der Schülerschaft inszeniert. Nachdem all dies nicht zu fruchten vermochte, wird dann eine Ausstellung nach Gedern geholt , um nicht mehr zu erziehen, sondern umzuerziehen - ist dies jedoch einer Demokratie, in welcher alle Gewalt vom Volke und nicht von Funktionären ausgehen sollte, würdig?
» Die NPD- Ein Kurzportrait
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