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29.04.2008

Lesezeit: etwa 4 Minuten

Lernen Thüringer Gymnasiasten das Horst-Wessel-Lied auf Lateinisch?

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Bericht
NPD-Parteivorstandsmitglied Jürgen Gansel zu der Debatte um den designierten Thüringer Kultusminister Peter Krause, der auch nach 1998 auf „neurechten“ Pfaden wandelte

Der Distanzierungswahn und die Rückgratlosigkeit in Teilen der deutschen Rechten nimmt immer würdelosere Züge an. Kaum gerät der designierte thüringische Kultusminister Dr. Peter Krause wegen seiner früheren Redaktionstätigkeit für die konservative Wochenzeitung „Junge Freiheit“ unter politischen Beschuß, schon bricht er den Stab über seine früheren JF-Kollegen.

Krause behauptet in einer Erklärung für die Netzseite der Thüringer CDU-Fraktion, daß er in besagter Zeitung sein Ziel, „ein konservativ orientiertes und fundiertes, aber offenes, antiideologisches und wirklich kritisches Debattenblatt jenseits politischer Lager aufzubauen“, nicht habe verwirklichen können. „Ein Interview mit Horst Mahler, der damals als ehemaliger RAF-Anwalt und radikaler Linker galt, war der Endpunkt der redaktionellen Arbeit“, so Krause.

Der Polit-Umfaller Krause schwindelt nicht nur hinsichtlich der Gesinnungsbiographie Horst Mahlers, der im Jahr seines Interviews mit Krause (1998) schon regelmäßig für die „Junge Freiheit“ sowie Günter Rohrmosers „Gesellschaft für Kulturwissenschaft“ zur Feder griff und keineswegs mehr ein radikaler Linker war. Der CDU-Karrierist flunkert auch über seinen angeblichen Ausstieg aus der „Neuen Rechten“, die für Krause nicht nur ein kurzer, zufälliger Seitensprung, sondern eine jahrelange Liebesaffäre war.

Noch 2002 – vier Jahre nach seinem Ausscheiden bei der „JF“ – schrieb Krause für das elitäre neurechte Theorieorgan „Etappe“, und zwar einen sechsseitigen Beitrag über den Berliner Historiker Ernst Nolte und einen elfseitigen über den Anti-Universalisten Panajotis Kondylis, die sich beide in Heft 16 der Publikation finden. Die Treffsicherheit, mit der sich Krause zwei rechte Meisterdenker für seine Rezensionen herausgesucht hat, läßt auf seinen (damals) guten intellektuellen Geschmack schließen. Es bleibt nur zu hoffen, daß Krause seine Begeisterung für die beiden rechten Vorzeigedenker nicht genauso schnell „vergißt“ wie seine Aufsätze nach 1998 für die „JF“ und die „Etappe“. Sowohl Nolte als auch Kondylis hätten eine Rehabilitierung verdient, und wer könnte dafür besser sorgen als ein Kultusminister?

Besonders pikant werden es manche Kleingeister finden, daß in der gleichen Ausgabe der „Etappe“ neben den beiden Großaufsätzen des angehenden Kultusministers auch das Horst Wessel-Lied auf Latein abgedruckt ist. Wer den bizarren und radikalen Humor des „Etappe“-Herausgebers Heinz-Theo Homann kennt, der weiß schon, wie das latinisierte Kampflied der Hitler-Bewegung gemeint war. Insofern ist auch nicht zu erwarten, daß die Thüringer Gymnasiasten in Zukunft das Horst-Wessel-Lied auf Lateinisch lernen werden. Schön wäre es allerdings, wenn Dieter Althaus das Verständnis, das er Peter Krause entgegenbringt, auch für die vielen nationalen Jugendlichen im eigenen Land übrig hätte, die schon dann mit Strafverfahren rechnen müssen, wenn sie mit einer alten Thor-Steinar-Rune auf der Jacke erwischt werden.

Hochinteressant ist in diesem Zusammenhang auch, was der angehende Minister Peter Krause noch vor fast genau zehn Jahren, am 8. Mai 1998, in einem Artikel für die „Junge Freiheit“ mit der Überschrift „Gedanken zu politischen Tendenzen der Jugend im Osten“ schrieb, der sich mit dem damaligen Wahlerfolg des NPD-Bündnispartners DVU bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt befaßte. In dem Artikel heißt es:

„Ein großer Teil der Jugend hat Protest gewählt, ‚rechten? Protest. Und doch war es eine Wahl, ein staatspolitischer Akt, eine Willensbekundung des,mündigen Bürgers?. Junge Deutsche haben ihre Subkulturen verlassen, haben abgestimmt. Auch wenn einem das Ergebnis nicht gefällt, sie sind aus der anonymen Resignation herausgetreten, damit einen souveränen Schritt weiter als diejenigen, die ihre Hilflosigkeit in Straßenkrawallen ausleben.“

Die scharfe Polit-Analyse des damaligen JF-Redakteurs Krause ist zweifellos völlig richtig und zutreffend und steht in wohltuendem Kontrast zu der atemlosen Hysterie, mit der heute auf nationale Wahlerfolge reagiert wird. Es stellt sich nur die Frage, ob Peter Krause auch im Falle eines Wahlerfolges einer Partei des Deutschlandpaktes bei den Thüringer Landtagswahlen im kommenden Jahr ähnlich großes Verständnis für die nationale politische Grundorientierung vieler Jung- und Erstwähler zeigen wird.

Sollte Peter Krause das Ministeramt tatsächlich antreten können und noch einen Funken politischer Ehre im Leib haben, müßte er – so von Staatsminister zu Bundesminister – auf Bundesverkehrsminister Tiefensee einwirken, die Drangsalierungen gegen den Bonner Regierungsdirektor Josef Schüßlburner endlich einzustellen. Dieser „Etappe“-Autor wurde nämlich vom Bundesverkehrsministerium wegen seiner Autorschaft für rechtsintellektuelle Publikationen erst vom Dienst beurlaubt und dann zum Eisenbahn-Bundesamt strafversetzt.

Merke: Schreibt jemand in Nordrhein-Westfalen für „neurechte“ Publikationen, führt dies zu Beurlaubungen und Versetzungen, tut man dies in Thüringen, bringt man es zu einem Ministeramt. Erklärbar ist dies nur mit der übergroßen Angst der Thüringer CDU vor dem Einzug einer nationalen Fraktion in den nächsten Thüringer Landtag. Auch im grünen Herzen Deutschlands findet nämlich eine geräuschlose völkische Graswurzelrevolution statt, in deren Folge die CDU das nationalkonservative Wählerspektrum immer weniger an sich binden kann. Mit der Berufung des „neurechten“ Publizisten Peter Krause wollte der profilarme Ministerpräsident Althaus wohl ein Signal an die rechtskonservative Wählerschaft aussenden – nach den peinlichen Selbstdistanzierungen Krauses ist aber auch diese Personalentscheidung für die Thüringer CDU zum Rohrkrepierer geworden.

Jürgen Gansel, MdL
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