01.07.2008
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Studie: Deutsche haben keinen Bock mehr auf Demokratie
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Zur Hauptseite wechselnBericht
Diese Nachricht schlug bei den etablierten Blockparteien ein wie eine Bombe. Eigentlich wollte die SPD-nahe "Friedrich-Ebert-Stiftung" (FES) in ihrer Studie lediglich die Gründe für die stetig wachsende Wahlenthaltung ergründen und stieß dann auf eine ungeahnt massive Ablehnungshaltung breiter Volksschichten gegenüber der hierzulande praktizierten Form des demokratischen Systems an sich. Dabei verwundert es nicht, daß unter den Mitteldeutschen die Distanz zur Demokratie besonders stark ausgeprägt ist. Hatten diese doch noch 1989 gedacht, sie würden aus einem System der Unterdrückung jedweden oppositionellen Gedankens, der Unterdrückung von Meinungs- und Versammlungsfreiheit sowie der politischen Bevormundung, nunmehr ankommen im angeblich "freiheitlichsten Staat, der je auf deutschem Boden existierte". Sie wurden in den letzten 18 Jahren eines Besseren belehrt. So glauben laut FES mehr als 30 Prozent der Deutschen, daß die Demokratie die Probleme nicht löse, in Mitteldeutschland sind es sogar mehr die Hälfte, die ihr auf diesem Feld keine Kompetenz zugestehen wollen.
25 Prozent der Befragten gaben an, daß sie mit der Demokratie, "wie sie bei uns heute ist", nicht zu tun haben. Jeder Zweite sagte, er könne sich vorstellen, nächstes Jahr nicht zur Bundestagswahl zu gehen. Und: Diese Form der Unzufriedenheit wächst in allen Schichten des Volkes, wobei sozial Benachteiligte wie Arbeitslose und Hartz IV-Opfer erwartungsgemäß eine besonders große Distanz zum demokratischen System entwickelt haben. Daß diese demokratiekritischen Einstellungen mittlerweile auch in den Reihen von Arbeitern und Angestellten wachsenden Anklang finden, deutete ein Sprecher der FES gegenüber dem Berliner "Tagesspiegel" mit den Worten "Das deutet daraufhin, daß viele Menschen fürchten, demnächst abzurutschen" und diese Menschen würden nun das herrschende System für ihre Situation verantwortlich machen. Alles in allem sieht die FES durch die zunehmend ablehnende Haltung der Deutschen gegenüber der Demokratie vor allem die sogenannten Volksparteien bedroht, weil diese "Loyalität zum System erzeugen" müßten und dabei das Volk nicht mehr erreichen.
Jörg Krebs
Bericht