NPD-Landesverband Hessen

25.10.2010

Lesezeit: etwa 4 Minuten

Eine Armee wird abgewickelt



Guttenbergs fragwürdiges Verdienst: Das Ende der Wehrpflicht hat tiefgreifende Konsequenzen. Am 12. November jährt sich der Tag zum 55. Male, an dem die ersten 101 Soldaten der Bundeswehr ihre Ernennungsurkunden erhielten. Vorausgegangen war eine heftige Diskussion in der Öffentlichkeit um einen deutschen Verteidigungsbeitrag an der Seite der USA, Großbritanniens und Frankreichs.


Peter Berrenberg*

Dieses Datum war wohlbedacht, denn es war der 200. Geburtstag des großen Reformers Gerhard David von Schamhorst, und der geschichtliche Bezug verpflichtete die neuen Streitkräfte auf Schamhorsts Maxime: »Alle Bewohner eines Staates sind die geborenen Verteidiger desselben.« Bundeskanzler Adenauer bekannte vor dem Lehrbataillon in Andemach: »Die wachsame Bewahrung der Freiheit ist eine gemeinsame Pflicht aller Staatsbürger.«

So entschied sich die Bundesrepublik nach 20stündiger, leidenschaftlicher Debatte im Bundestag für die Wehrpflicht; in der Nacht zum 7. Juli 1956 wird das Wehrpflichtgesetz verabschiedet (die DDR führte die Wehrpflicht 1962 offiziell ein). Schamhorsts Gedanke wird zum tragenden Element der Bundeswehr. Am 1. April 1957 rückten die ersten 10 000 Wehrpflichtigen des Jahrganges 1937 in die Kasernen ein. Sie trugen in den ersten Jahren eine geradezu lächerliche Uniform, ohne Kragenspiegel, mit ungewohnten Dienstgradabzeichen (die bis heute gelten); nach dem Wunsch der Politiker sollte nichts, aber auch gar nichts an die Wehrmacht erinnern, einschließlich des Stahlhelms, den heute in leichter Abänderung die Soldaten fast in der ganzen Welt tragen. Die DDR-Führung sah das weniger eng, bis zu ihrem Ende glich die NVA-Uniform in frappierenden Weise derjenigen der Wehrmacht. Bei der Erfassung der ca. 100 000 Wehrpflichtigen hatten nur 328 den Wunsch geäußert, als Kriegsdienstverweigerer anerkannt zu werden. Von den 15 000 jungen Männern, die zur Musterung geladen wurden, erschienen 14 700. Nach der Musterung beriefen sich nur ganze 37, d. h. weniger als 0,3 Prozent auf das Recht zur Verweigerung. In den ersten 10 Jahren war die Ableistung des Wehr- dienstes die Regel. In ländlichen Gebieten »hätte man sich bei einer Verweigerung nicht mehr im Dorf blicken lassen können«, wie es ein junger Mann einmal dem Verfasser gegenüber äußerte.

Unguter BRD-Kult um den Wehrdienstverweigerer

Zwar soll der erste Bundespräsident Th. Heuss die Wehrpflicht als »legitimes Kind der Demokratie« bezeichnet haben, aber im Volk fanden die neuen Streitkräfte »als notwendiges Übel« nie die tiefe Verankerung wie ihre Vorgängerinnen. Mit den 70er Jahren nahmen die Verweigerungen dramatisch zu, ganze Abiturientenklassen - durch die 68er Lehrergeneration entsprechend .vorbereitet - meldeten sich geschlossen als Verweigerer; schließlich brauchte man keine Gewissensgrunde mehr zu nennen – es reichte eine Postkarte.

Nach und nach war der Wehrdienstverweigerer der in der Gesellschaft höher geachtete. Dabei gingen die Bundestagsabgeordneten »beispielgebend« voran, denn die wenigsten von ihnen erhielten einen Einberufüngsbescheid. Das oberste Gericht gestattete die Formulierung »Soldaten sind Mörder«, der Sänger Reinhard Mey trug das Lied vor »meine Söhne bekommt ihr nicht« und erhielt das Bundesverdienstkreuz. Ein Tennisstar verlegte seinen Wohnsitz ins Ausland und wurde vom damaligen Bundespräsidenten zeitgleich als Vorbild für die deutsche Jugend genannt. Endlich rügte der letzte Bundespräsident »das freundliche Desinteresse« an der Bundeswehr.

Dabei hat die allgemeine Wehrpflicht in Deutschland eine lange Tradition. Vorläufer war in Preußen die Kantonverfassung von 1733. Später führte das Boyensche Dienstverpflichtungsgesetz vom 3. September 1814 diese allgemeine Pflicht ein. Sie wurde vom Norddeutschen Bund und vom Deutschen Reich übernommen. Sie ruhte in der Weimarer Republik, und erst 1935 wurde sie wieder eingeführt. Seit einigen Wochen betreibt Verteidigungsminister zu Guttenberg (Unteroffizier der Reserve der Gebirgstruppe) die Abschaffung bzw. Aussetzung der Wehrpflicht. Ihn zwängen dazu die desolaten Staatsfinanzen, die mangelnde Bedrohungslage in Europa (Deutschlands Sicherheit wird ja bekanntlich am Hindukusch verteidigt!) und die fehlende Wehrgerechtigkeit (nur 16 % eines Jahrgangs würden einberufen), heißt es.
Der Wehrdienst wurde inzwischen auf sechs Monate reduziert; allerdings zeigen Österreich (Präsenzdienst) und die Schweiz

(Ausbildungsdienst), daß man mit diesen wenigen Monaten effizient sein kann. Selbst der Hinweis auf die mit dem Wegfall der Wehrpflicht nicht mehr vorhandenen »Zivis« in den verschiedenen Sozialeinrichtungen wird die schon feststehende Entscheidung (vor allem durch den FDP-Chef angekurbelt) nicht ändern. Sie wird sicherlich als »Wahlgeschenk« vor den 5 Landtagswahlen des nächsten Jahres verkündet werden. (...)

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*Unser Autor Dr. Peter Berrenberg veröffentliche u. a. seine Erlebnisse in der Bundeswehr von 1959 – 2000 in dem unter Pseudonym erschienenen Buch: Bergner, Klaus, Begegnungen mit Faulen Säcken und Potentiellen Mördern, Trafo-Verlag, Berlin 2002.

 

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