NPD-Landesverband Hessen

28.09.2012

Lesezeit: etwa 2 Minuten

Großelternzeit – eine weitere familienpolitische Mogelpackung

Es ist grundsätzlich zu begrüßen, wenn Kinder in großen, mehrere Generationen umfassenden Familien aufwachsen können. Der Erfahrungsaustausch und die Solidarität sind nirgendwo intensiver als in einer Großfamilie. Dies bringt Vorteile für alle Generationen mit sich.

Glaubt man, daß Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) mit ihrem Vorstoß zur Großelternzeit dies anstrebt, sieht man sich getäuscht. Schröder plant, eine unbezahlte Großelternzeit einzuführen, in der Großeltern für maximal drei Jahre von ihrer Arbeit frei gestellt werden können. Bei Unternehmen über 15 Mitarbeitern soll es sogar einen Kündigungsschutz geben. Für alle anderen würde es wohl das Ende der Berufslaufbahn bedeuten.

Erschwerend kommt hinzu, daß diese Großelternzeit weder Lohnersatz noch Arbeitgeberbeiträge in die Sozialversicherung vorsieht. Vor allem für Großmütter würde dies in der Konsequenz eine noch geringere Rente bedeuten, weil weitere Beitragsjahre fehlen würden.

Schaut man hinter die Kulissen, registriert man, was der wahre Hintergrund des Vorstoßes ist. Die vollmundig versprochene Kita-Garantie ab 2013 für alle Kinder kann aus Kostengründen nicht erfüllt werden. Echte familienpolitische Konzepte, die Wahlfreiheit und finanzielle Sicherheit für junge Eltern mit sich bringen, sind seitens der etablierten Parteien ebenfalls nicht in Sicht. So sollen nun die Großeltern dieses Landes die Kastanien für das familienpolitische Versagen von Kristina Schröder aus dem Feuer holen.

Ganz profane Aspekte, die den Schröderschen Vorstoß zu einer Farce werden lassen, kommen hinzu: nicht alle Großeltern haben aufgrund der erzwungenen beruflichen Mobilität denselben Wohnort wie ihre Kinder, sodaß das Modell für all jene nicht in Frage käme. Der Vorschlag kann nur als lebensfremd bezeichnet werden, da er nur für diejenigen in Frage kommt, bei denen auf ein Gehalt in der Familie verzichtet werden kann. Auch für Arbeitgeber wäre die Umsetzung des Vorschlags mit zahlreichen Unwägbarkeiten verbunden. Gerade auf ältere und erfahrene Mitarbeiter kann oft nicht zeitnah verzichtet werden und qualifizierter Ersatz ist nicht immer zur Hand. Planbarkeit in der betrieblichen Personalpolitik wäre Geschichte.   

Der Versuch Schröders, mit einem populären Thema zu punkten, mutiert zu einem Bumerang, da er weder durchdacht noch unter gegebenen Umständen sozial vertretbar ist. Unzählige Großeltern und ältere Arbeitnehmer sollen ihre Rentenansprüche opfern, weil die Familienpolitik hierzulande schon seit langem ihren Namen nicht mehr verdient. Für viele wäre die Konsequenz aus dem Konzept die sichere Altersarmut.

Abgesehen davon, daß eine Großelternzeit nur sozial vertretbar wäre, wenn auch Großelterngeld gezahlt werden würde, gibt es ganz andere Möglichkeiten, das Dilemma in den Griff zu bekommen. Wenn Deutschland nicht zu einem Niedriglohnland degenerieren würde und hierzulande anständige Löhne gezahlt werden und flächendeckende Mindestlohnregelungen existieren würden, anstelle von ESM und anderen Zweckentfremdungen ein sozial vertretbares, sozialversicherungspflichtiges Müttergehalt gezahlt werden würde, gäbe es weder ein Problem mit der Kinderbetreuung noch mit der Vereinbarkeit von Familiengründung und Beruf.

Ronny Zasowk


Quelle:http://www.npd-in-rlp.de/
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