NPD-Landesverband Hessen

17.06.2013

Lesezeit: etwa 5 Minuten

Der NPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Gansel über den 17. Juni 1953: Volksaufstand unter Schwarz-Rot-Gold

Die SED-Bonzen ließen vor 60 Jahren sowjetische Panzer gegen die Arbeiterschaft auffahren

 

Nach der Gründung der DDR als zweitem alliierten Vasallenstaat auf deutschem Boden herrschte dort mit eiserner Hand der Stalin-Verehrer Walter Ulbricht. Mit seiner doktrinären Politik sorgte der SED-Generalsekretär im Winter 1952/53 nicht nur für anschwellende Flüchtlingsströme gen Westen. Das Verfolgungsregiment gegen geistige Abweichler und bäuerlich-bürgerliche Kreise ließ Anfang der 1950er Jahre in breiten Volkskreisen den Unmut wachsen. In diese Großwetterlage platzte die Nachricht vom Tode des Sowjet-Diktators Josef Stalin am 5. März 1953. Die große Mehrheit der Mitteldeutschen erhoffte von seinem Nachfolger ein mäßigendes Einwirken auf die SED-Führung. Es kursierten sogar Gerüchte, denen zufolge Ulbricht in seinem führenden Partei- und Staatsamt abgelöst werden sollte. Angeblich hätte der neue sowjetische Hochkommissar Wladimir Semjonow entsprechende Moskauer Weisungen mitgebracht. Aber nichts in Richtung politischer Öffnung oder personeller Änderungen geschah.

 

Ausbeutung durch höhere Arbeitsnormen

 

Stattdessen erhöhte die Regierung Otto Grotewohl am 28. Mai die allgemeinen Arbeitsnormen um zehn Prozent und löste damit erhebliche Unruhe aus, die zu ersten wilden Streiks, erbitterten Debatten in Betrieben und spontanen Protestveranstaltungen führte. Das Zwangssystem in den Betrieben und die immer schlechtere Versorgungslage ließen noch mehr Menschen den „Sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat“ verlassen.

 

In dieser Lage verordnete Moskau den Berliner Genossen eine entschärfte wirtschaftspolitische Gangart. In den Morgenstunden des 12. Juni 1953 berichtete der Ostberliner Rundfunk vom Politbüro-Beschluß zum „neuen Kurs“: Die Partei gestand Fehler ein, besänftigte und gelobte Besserung. In den Folgetagen wurde der staatliche Druck etwas gelockert und Preiserhöhungen zurückgenommen.

 

Die Ende Mai beschlossenen Normerhöhungen für Industriebetriebe und die Bauwirtschaft wurden aber nicht zurückgenommen und von der Parteispitze weiter propagiert. Die Ostberliner Postille „Tribüne“ schrieb am 16. Juni den Arbeitern ins Stammbuch: „Erst besser arbeiten, dann besser leben.“ Dies wurde von den ebenso vaterländisch wie freiheitlich gesinnten Arbeitern als bewußte Provokation der SED-Bonzen aufgefaßt. Aus Wut wurde Aktion: In den frühen Morgenstunden des 16. Juni 1953 begann auf Block 40 der Baustelle in der Stalinallee der Streik der vom Kommunismus ausgebeuteten Arbeiter. Diese studierten die „Tribüne“, diskutieren und verweigerten die Arbeit. Als um 8.30 Uhr ein FDGB-Funktionär zur Arbeit antreiben wollte, schallte es ihm entgegen: „Hau ab, es ist zu spät!“

 

Achtzig Bauarbeiter des „Volkseigenen Betriebes“ Bau-Union Berlin nahmen nun den Marsch zum Regierungssitz in der Leipziger Straße auf. Wenige Stunden später waren es Zehntausende. Die Volksmasse rief immer wieder: „Berliner, reiht Euch ein, wir wollen keine Sklaven sein!“ Unter den Linden, am Alexanderplatz, in der Leipziger Straße: überall strömte das schaffende Volk zusammen und erhob die Forderungen nach Freiheit, Brot und deutscher Einheit. Das war nichts Geringeres als der Aufstand der Arbeiterschaft gegen die „Diktatur des Proletariats“.

 

Bonn blieb untätig

 

In der Rheinbund-Hauptstadt Bonn beeilte man sich zwar, den Aufbegehrenden Mut und Richtigkeit des Anliegens zu bescheinigen. Von handfester politischer Unterstützung der mitteldeutschen Landsleute wollten die im Besatzungsstatut behaglich eingerichteten Bonner Herren aber nichts wissen. Dabei hätte die Verunsicherung der SED und die Passivität der Sowjets große deutschlandpolitische Perspektiven eröffnet.

 

Trotz gegenteiliger Weisungen der amerikanischen Besatzer verbreitete der Rundfunksender RIAS am 17. Juni um fünf Uhr morgens den Aufruf zum Generalstreik und machte den Arbeiteraufstand über Berlin hinaus bekannt. Die Streikenden verbanden sofort soziale Forderungen mit nationalen: Rücknahme der Normerhöhungen, Preissenkungen, Rede- und Pressefreiheit, Entlassung politischer Gefangener, freie Wahlen für Gesamtdeutschland und Abzug der Besatzungstruppen. Entscheidend war vor allem die herzerhebende Forderung nach Wiedervereinigung des geteilten Vaterlandes.

 

Deutschlandlieder ertönten

 

Am Vormittag des 17. Juni griff der Generalstreik von Berlin auf Jena, Magdeburg, Halle, Görlitz und Rostock über. Der spätere Bundespräsident Karl Carstens erinnerte sich an diesen Tag: „Sie (die Arbeiter; Anm.) sangen das Deutschlandlied. Auf dem Markplatz in Halle sangen sie unablässig das Deutschlandlied, als ihnen Panzer den Rückzug versperrten. Überall entrollten sie die schwarz-rot-goldene Fahne. Es war ein leidenschaftlicher Appell an die Einheit unseres Volkes, an Freiheit, Gerechtigkeit und brüderliche Solidarität.“

 

Als diese eigendynamische Erhebung nationalgesinnter Arbeiter die SED-Herrscher aus ihren Sätteln zu heben drohte und im Erfolgsfall alle osteuropäischen Völker zur Freiheit hingerissen hätte, entschied sich Moskau für die blanke Gewalt des Imperialismus. Panzer fuhren in die von Volksmassen gefüllten Straßen. Schon am 17. Juni floß deutsches Arbeiterblut in den Straßen der ehemaligen Reichshauptstadt. Der Publizist Wolfgang Strauss stellte zu diesen dramatischen Stunden in Berlin fest: „Die Massen ohne Waffen singen das Deutschlandlied, alle Strophen, aber immer wieder die erste Strophe. Der Aufstand, der Generalstreik, die Revolte gegen Bonzokratie und Normenschinderei – der soziale Protest weitet sich aus zur Nationalrevolution.“ Unvergessen ist die Aktion junger Berliner, die vom Brandenburger Tor die Rote Fahne herunterholten und Schwarz-Rot-Gold im Winde erflattern ließen, als unter ihnen schon Panzerspähwagen der sowjetischen Besatzungsmacht standen.

 

Die BRD-Regierung hatte in dieser Lage, die das allerhöchste Maß an nationaler Solidarität erfordert hätte, nur feierliche Worte parat. Nicht im Traum dachten die von „Menschenrechten“ nur faselnden Westmächte daran, den bedrängten und unbewaffneten Arbeitern zu Hilfe zu kommen. So nahm das Verhängnis seinen Lauf. Der Arbeitertraum vom freien, gerechten und einigen Deutschland wurde von Sowjet-Panzern im Verein mit SED-Arbeiterverrätern im Blut ertränkt. Selbst die Opfer-relativierende Geschichtsschreibung des Westens geht von bis zu 300 Todesopfern, unzähligen Verletzten und 1.400 Aufständischen aus, die zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden.

 

Als Folge des niedergeworfenen Aufstandes konnte Ulbricht seine Machtposition wieder festigen. Der 17. Juni wurde in der BRD zum gesetzlichen Feiertag – allerdings nur bis zum Jahre 1990. Seitdem halten die Herrschenden den nationalen Arbeiteraufstand in der DDR nicht mehr für gedenkwürdig…

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