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01.02.2008

Lesezeit: etwa 2 Minuten

„Positive Entwicklung“: Nur eine Viertelmillion mehr Arbeitslose im Januar

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Bericht
Was wäre unsere Politklasse ohne ihre beschönigenden oder furchterregenden Statistiken? Die neueste Variante der „Ist-das-schön“-Statistik ist die Erwerbslosenstatistik. Hier kann man sich, sofern man die Zahlen passend „saisonbereinigt“ hat, brüsten wie der Hahn auf dem Misthaufen, wie toll die „Reformen“ und vor allem wie effizient die große Koalition doch ist.

Die im Januar deutlich gestiegene Arbeitslosigkeit wird also „saisonbereinigt“ und als Beweis für den immerwährenden Aufschwung am Arbeitsmarkt an den Haaren herbeigezogen. Dabei ist es für die Systemmedien vollkommen uninteressant, diese „Tatsache“ in einem Artikel, um im darunter stehenden Artikel über Massenentlassungen, Werksumzüge, Pleiten und stagnierende oder gar einbrechende Umsätze zu berichten.

Fern von Telekom-Massenentlassungen, Nokia-Betriebsschließungen, WestLB-Entlassungen, PIN-Pleiten, Zwangsverrentung etc. wird weiter kräftig gejubelt, dass die Arbeitslosenzahlen rückläufig seien. Entweder interessiert es niemanden mehr, oder die Hirnwäsche ist mittlerweile so gründlich, dass es völlig gleichgültig wird, was in den einzelnen Käseblättchen steht, weil das einzige was wirklich noch gelesen wird, die Sonderangebote der Supermärkte sind.

Die Zahl der Arbeitslosen ist „saisonbereinigt“ im Januar um 253.000 gestiegen. Die offizielle, „politbereinigte“ Arbeitslosenquote erhöhte sich somit auf 8,7 %, wie die Bundesagentur für Arbeit zugibt. Insgesamt will die Bundesagentur für Erwerbslosenverwaltung diese Zahlen aber „deutlich unter die Vergleichswerte von Januar 2007“ geschönt haben.

Gleichzeitig zu den steigenden Arbeitslosenzahlen findet sich jedoch in der Statistik eine sinkende Zahl an Stellenangeboten. „Das gemeldete Stellenangebot ist im Januar saisonbereinigt um 21.000 gesunken. In den letzten drei Monaten hat sich der Stellenbestand um durchschnittlich 10.000 im Monat und die ungeförderten «normalen» Stellen um 4.000 reduziert.“ Hätte diese Reduzierung der Stellenangebote - angenommen Reduzierung = Einstellung von Arbeitskräften - die Erwerbslosenzahl alleine in den vergangenen drei Monaten nicht senken müssen? Lt. Angaben der BA hat sich der gesamte Bestand an Stellenangeboten auf 528.000 verringert. Für offiziell zugegebene 6,2 Millionen erwerbslose Menschen. Um es mal mit Herrn Beck zu sagen „Waschen und rasieren ...“

Einen weiteren Rückgang muss der Einzelhandel verzeichnen. Er verbucht sein höchstes Umsatzminus seit 2002. Selbst das Weihnachtsgeschäft brachte den Händlern kein Umsatzplus. Verglichen mit November sind die Umsätze im Dezember sogar um weitere 0,1 Prozent gesunken. Insgesamt ist der Jahresumsatz um 1,2 % gesunken. Das hört sich wenig an, scheint aber im Einzelhandelssektor fast eine Panik auszulösen: „Diese Zahlen sind wirklich schrecklich, und noch schrecklicher als erwartet», sagte Hubertus Pellengahr, der Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) der Nachrichtenagentur AP. Dass die Umsätze unter dem Vorjahresniveau lägen, sei erwartet worden, «aber nicht die Dimension“.

Aber natürlich haben wir ja den immerwährenden Aufschwung. Und so sieht man pflichtgemäß optimistisch ins neue Jahr, denn jetzt sind für den „Einzelhandel die Perspektiven weitaus günstiger. Da keine weitere Steuererhöhung anstehe, Einkommen und Beschäftigung sich positiv entwickelten, erwarte der Handel für das Gesamtjahr ein nominales Plus von 2 Prozent.“ So ist es recht. Schon Helmut Kohl hatte die Anweisung gegeben, die Absätze der Schuhe vorne anzubringen, damit „das Volk“ merkt, dass es aufwärts geht ...
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