11.09.2008
Anfrage
Nach Auskunft des renommierten Toxikologen Hermann Dieter vom Bundesumweltamt sind zehn Arzneimittel mehrfach im Trinkwasser nachgewiesen worden. Darunter finden sich unter anderem der Blutfettsenker Bezafibrat, das Antirheumatikum Diclofenac, Röntgenkontrastmittel oder das Antischmerzmittel Ibuprofen. Verbesserte Analysemethoden würden zukünftig wohl Rückstände weiterer Arzneimittel zutage fördern, so Dieter.
Vor diesem Hintergrund richte ich folgende Fragen an den Magistrat:
1. Welche Aussage kann der Magistrat über die derzeitige Qualität des Frankfurter Trinkwassers treffen?
2. Welche Behörden kontrollieren in welchem Turnus die Trinkwasserqualität und die Funktionsfähigkeit der Trinkwasseraufbereitung in Frankfurt am Main?
3. Nach Aussagen von Hermann Dieter ist eine Quantifizierung des Risikos von Arzneimittelrückständen im Trinkwasser auf einer wissenschaftlich fundierten Grundlage noch nicht möglich. Vor allem die Wirkung, die sich ergeben könne, wenn Verbraucher viele Jahre lang mehrere Wirkstoffe gleichzeitig in geringen Konzentrationen über das Trinkwasser zu sich nähmen, sei noch unklar. Ernstzunehmende Hinweise gebe es aus dem Tierreich: Bei Fischen, die an Kläranlagenausgängen leben, wurde nach Östrogen-Aufnahme (Ethinylestradiol aus der Antibabypille) Geschlechts-Umwandlungen beobachtet. Inwiefern erkennt der Magistrat hinsichtlich dieser Problematik Forschungs- bzw. Aufklärungsbedarf?
4. Die meisten Rückstände von Arzneimitteln gelangen über menschliche Stoffwechselendprodukte ins Abwasser. Professor Martin Exner, Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit am Universitätsklinikum Bonn und Vorsitzender der Trinkwasserkommission warnte, es sei eine Illusion zu glauben, daß jeder Stoff erfaßt werden könne, da ständig neue Wirkstoffe und Arzneien hergestellt würden. Empfehlenswert seien daher etwa Nano- oder Mikrofiltration oder Aktivkohleverfahren. Inwieweit erachtet der Magistrat vor diesem Hintergrund eine technologische Aufrüstung der Wasseraufbereitungsanlagen in Frankfurt als geboten?
5. Im Zuge des demographischen Wandlungsprozesses steigt die Lebenserwartung der Menschen, damit einhergeht auch ein zunehmender Bedarf an Medikamenten und Arzneimitteln. Immer mehr Pharmazeutika kommen auf den Markt und sind rezeptfrei erhältlich. Ein Problem ist nach Informationen des Bundesumweltamtes auch das unwissende und bequeme Entsorgen von abgelaufenen oder nicht eingenommenen Medikamenten durch Verbraucher über die Toiletten. Inwieweit sieht der Magistrat hier Bedarf zur Aufklärung der Bürgerinnen und Bürger?
6. Im Oberbergischen Waldbröl bei Köln läuft gegenwärtig unter Federführung des Instituts für Siedlungswasserwirtschaft der RWTH Aachen (ISA) um Professor Johannes Pinnekamp ein europaweit beachtetes Pilotprojekt zur Aufbereitung von Abwässern aus einem Krankenhaus. Mittels eines Membranbioreaktors wird das Abwasser der Klinik zunächst vorgereinigt und das gebildete Filtrat ohne Feststoffe danach effizient weitergereinigt. Mit einer separaten Abwasserreinigungsanlage werde erstmals der gesamte Abwasserstrom eines Krankenhauses, wobei Reste von Röntgenkontrastmitteln, Antibiotika, Lipidsenkern, Betablockern oder Antirheumatika deutlich gesenkt, wobei die Elimination je nach pharmazeutischem Stoff 30 bis 99 Prozent erreicht. Erachtet der Magistrat/das Stadtgesundheitsamt solche Maßnahmen speziell für die Klärung von Abwässern der Frankfurter Krankenhäuser für geboten und gab/gibt es diesbezüglich bereits Überlegungen?
NPD im Frankfurter Römer
Jörg Krebs
Stadtverordneter